Entwicklung der Nutztierhaltung

in Fleischerzeugung

Die Entwicklungsgeschichte der Menschen ist eng verknüpft mit der Überführung von Wildtieren in Haus- und Nutztiere, d. h. der Domestikation sowohl von Tieren als auch von Pflanzen. Die Ausschöpfung von Nahrungsressourcen an einem Ort bedingte vor der Sesshaftwerdung der Menschen einen häufigen Wechsel der Wohnstätten. Der Übergang zu beständigen Siedlungen mit einer nachfolgenden Entwicklung von Städten begann vor rund 10.000 Jahren. Die wichtigsten Grundlagen für diese Entwicklung war eine kontinuierliche Versorgung der Menschen über die Tierhaltung und den Pflanzenbau. Zu den ältesten Haustieren zählen Hund, Schaf, Ziege, Rind und Schwein. Die seit Jahrtausenden angewandte, vielgestaltige Nutzung der Haustiere erlaubte den Menschen die Erzeugung von Nahrungsmitteln und Gebrauchsgütern wie Leder sowie die Nutzung der Arbeitskraft.

Die Haustiere wurden später gezielt auf die für den Menschen und seine Ernährung positiven Eigenschaften hin gezüchtet, sodass sich die heutigen Nutztierarten wesentlich von ihren nichtdomestizierten Vorfahren unterscheiden. Weltweit gibt es heute etwa 20 Säugerarten sowie zehn Vogelarten, die wirtschaftlich genutzt werden. Daneben werden auch Bienen, Schnecken, Fische, Krustentiere und Muscheln als Nutztiere gehalten. Hat eine Tiergruppe eine gemeinsame Zuchtgeschichte und ist sie in wesentlichen Merkmalen wie den Nutzungseigenschaften und dem Verhalten ähnlich, spricht man von einer Rasse.

Tierproduktion in Deutschland

Die zielgerichtete Züchtung von Nutztieren hat in Deutschland vor etwa 200 Jahren begonnen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bildeten sich Tierzuchtverbände und Tierzuchtvereine. Ihr Ziel war die Verbesserung der Eigenschaften von Nutztieren durch die Tierzucht. Parallel wurde in dieser Zeit die Tierernährung erforscht und verbessert. Mit wachsender Kenntnis über die richtige Tierernährung konnte die Tiergesundheit, die Leistungsfähigkeit der Nutztiere und die Qualität der Produkte deutlich verbessert werden.

Die Tierhaltung war früher und ist auch heute noch sehr arbeitsintensiv. Dank moderner Ställe und durch den Einsatz von Technik konnte die Arbeit in den letzten 50 Jahren jedoch wesentlich vereinfacht und erleichtert werden. Die Tierställe werden heute so gebaut, dass sie den Ansprüchen der Tiere gerecht werden und gleichzeitig dem Landwirt möglichst viel Arbeitsersparnis bringen. Aber auch der organisatorische Fortschritt spielt in der Tierhaltung eine große Rolle. Die Betriebe haben sich immer weiter spezialisiert und können damit wirtschaftlicher produzieren – und damit auch artgerechter, da mehr in den Umbau oder Neubau der Ställe und in die Anschaffung von Geräten investiert werden kann.

In Deutschland ist die Tierproduktion von großer ökonomischer Bedeutung. Knapp die Hälfte des Produktionswertes erzielt die deutsche Landwirtschaft mit Produkten tierischen Ursprungs, in den letzten Jahren waren das gut 18 Milliarden Euro im Jahr. Dabei ist die Milcherzeugung der bedeutendste Produktionszweig, gefolgt von der Schweine- und Rindfleischproduktion. Insgesamt wurden in 2004 auf 310.000 viehhaltenden Betrieben 13,2 Millionen Rinder, 25,6 Millionen Schweine, 123,4 Millionen Geflügel, 2,5 Millionen Schafe und 170.000 Ziegen gehalten (Quelle: Statistisches Bundesamt, ZMP/ 2005).

Verwendung

Nutztiere werden in erster Linie zur Erzeugung von Lebensmitteln gehalten. Neben dem Verzehr von Fleisch, Milch und Eiern spielen die weiterverarbeiteten Milchprodukte wie Butter, Käse und Joghurt eine wichtige Rolle in der menschlichen Ernährung. Außerdem werden tierische Organe und Substanzen zu vielfältigen Produkten weiterverarbeitet, wie beispielsweise die Wolle zu Stoffen und Tierhäute zu Leder, die als Kleidung und Schuhe Verwendung finden. Auch die moderne Medizin benötigt tierische Produkte, z.B. als Hautersatz und als Nahtmaterial nach Operationen. Aus bestimmten tierischen Drüsen werden Hormone gewonnen. Daneben erhält der Dung der Tiere die Fruchtbarkeit landwirtschaftlich genutzter Flächen und wird als Düngemittel eingesetzt.

Produktionsweisen

Unter Tierhaltung versteht man ganz allgemein die Haltung von Nutztieren unter menschlicher Pflege und Aufsicht. Landwirtschaftliche Nutztiere werden zur Erzeugung tierischer Nahrungsmittel gehalten. Züchtung, Fütterung, Unterbringung sowie die Haltung und Pflege sind wichtige Einzelaspekte, unter denen die Tierhaltung betrachtet werden kann.

In der Tierproduktion werden verschieden Produktionsweisen unterschieden. Häufig wird eine Differenzierung zwischen konventioneller Tierhaltung und ökologischer Tierhaltung vorgenommen. Innerhalb der konventionellen Tierhaltung wird zwischen intensiven und extensiven Tierhaltungsformen unterschieden. Bei extensiver Tierhaltung leben relativ wenige Tiere auf einer definierten Fläche. Sie wird vor allem in Regionen mit für den Ackerbau weniger geeigneten Böden, von Nebenerwerbslandwirten und in der ökologischen Landwirtschaft betrieben. Da die Tiere nahezu ausschließlich von dem Futter dieser Flächen leben müssen, sind bei dieser Art der Tierhaltung große Flächen nötig. Bei den intensiveren Produktionsweisen werden die Tiere überwiegend in Ställen gehalten, haben aber üblicherweise die Möglichkeit zum Auslauf bzw. Weidegang.

Zwei grundsätzliche Aspekte der landwirtschaftlichen Tierproduktion gelten für alle Produktionsweisen und Haltungsformen:

  • die umfangreichen gesetzlichen Regelungen zum Tierschutz in Deutschland und Europa müssen von den Landwirten eingehalten werden,
  • Tierhaltung muss in einer tier- und artgerechten Form erfolgen, wenn sie dauerhaft ökonomisch erfolgreich arbeiten will.

Viele natürliche Verhaltensweisen, wie der Bewegungsdrang oder das Bedürfnis nach Verstecken, sind bei domestizierten Haustieren erhalten geblieben. Wichtige Kriterien für eine artgerechte Tierhaltung sind eine den Sozialbeziehungen der Tiere angepasste Größe der Gruppe, ein ausreichendes Platzangebot pro Tier sowie die Gelegenheit zum Auslauf, getrennte Lebensbereiche zum Fressen, Liegen und Koten, ein optimales Stallklima und eine artgerechte Fütterung. Tiere in artgerechter Haltungsform sind vital und wenig stressanfällig.

Tierschutz in Deutschland

Der Tierschutz genießt in der Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Eine Vielzahl von Gesetzen zum Tierschutz auf nationaler und europäischer Ebene dokumentiert die Bedeutung des Tierschutzes in der öffentlichen Diskussion. Die artgerechte Tierhaltung ist eine Kernforderung der Tierschutzgesetzgebung. Ziel einer artgerechten Tierhaltung ist die Schaffung von Haltungsbedingungen für Nutztiere, die möglichst nah an die ursprünglichen Verhaltensweisen und Lebensbedingungen der Tiere angepasst ist.

Die Haltung von Nutztieren ist immer ein Kompromiss zwischen den Bedürfnissen der Tiere und den wirtschaftlichen Anforderungen der Landwirte und Verbraucher. Die artgerechte Tierhaltung versucht einen Kompromiss zu finden zwischen den Bedürfnissen der Tiere und den Anforderungen der Landwirtschaft und Verbraucher.

„Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“ Dieses ist der Grundsatz des deutschen Tierschutzgesetzes. Deutschland hat ein umfassendes Tierschutzrecht und nimmt im Tierschutz in Europa und weltweit eine Vorreiterrolle ein.

In Deutschland ist der Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz verankert. Mit dem Gesetz zur Änderung des Grundgesetzes (Staatsziel Tierschutz) vom 26. Juli 2002 wurde der Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankert. Artikel 20a GG hat nunmehr folgende Fassung: „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“ Damit hat sich der Stellenwert des Tierschutzes deutlich erhöht. Bei rechtlichen Abwägungen kann das Wohl der Tiere in deutlich stärkerem Maße berücksichtigt werden als vorher.

Verschiedene tierschutzrechtliche Vorschriften für die Nutztierhaltung wurden im Jahr 2001 vom Gesetzgeber in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung zusammengefasst. Mit der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung wurde eine klare Rechtsstruktur geschaffen und vor allem für die Nutztierhalter eine Rechtsvereinfachung und -vereinheitlichung erreicht.

Der Staat beschränkt sich nicht nur auf gesetzliche Maßnahmen im Tierschutzbereich. Auch in der  landwirtschaftlichen Investitionsförderung und bei der Vergabe von landwirtschaftlichen Direktzahlungen werden tierschutzrechtliche Aspekte mit berücksichtigt. Im Rahmen der Agrarinvestitionsförderung gibt es finanzielle Anreize für mehr Tierschutz in der Nutztierhaltung. Unerwünschte Haltungsformen sind von der Förderung ausgeschlossen. Investitionen in besonders tiergerechte Haltungsverfahren werden unterstützt.

Seit 2005 ist für alle Landwirte, die staatliche Direktzahlungen erhalten, die Einhaltung tier- und naturschutzrechtlicher Verpflichtungen (Cross Compliance) obligatorisch. Die Cross-Compliance-Regelung umfasst 19 Rechtsakte, die direkt auf der Ebene landwirtschaftlicher Betriebe anwendbar sind und die Bereiche Umwelt, Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanzen sowie Tierschutz betreffen. Den Landwirten drohen im Falle einer Nichteinhaltung Sanktionen in Form von Kürzung oder Streichung der Direktzahlungen. Die Kälberhaltungsrichtlinie, die Schweinehaltungsrichtlinie und die Richtlinie zum Schutz von Nutztieren sind Bestandteil der Cross-Compliance-Regelung. Die Richtlinien sind in einigen Punkten strenger formuliert als die entsprechenden nationalen gesetzlichen Regelungen. Ihre Einhaltung ist seit 2007 zwingend, wenn die Landwirte Kürzungen der Direktzahlungen vermeiden wollen.

Konventionelle Tierhaltung

Die Haltung und Pflege der Tiere beeinflusst die Tiergesundheit. Somit bedingt die artgerechte Haltung von Nutztieren die Leistungsfähigkeit der Tiere und die Qualität ihrer Erzeugnisse gleichermaßen. Die in der landwirtschaftlichen Tierproduktion eingesetzten Haltungsformen sichern eine optimale Tiergesundheit unter Beachtung des Tierschutzes.

Ökonomische Erfordernisse und Fortschritte in der landwirtschaftlichen Produktionstechnik führten zu einem raschen betrieblichem Wachstum und zur zunehmenden Spezialisierung landwirtschaftlicher Betriebe. Tierhaltende landwirtschaftliche Betriebe weisen einen hohen Spezialisierungsgrad auf. Die Haltungssysteme sind ausgefeilt und auf die Bedürfnisse der Tiere zugeschnitten. Spezialisierte, moderne und leistungsfähige Betriebe garantieren eine kostengünstige Erzeugung qualitativ hochwertiger Produkte.

In der Vergangenheit wurde die spezialisierte Tierhaltung für die Krisen in der landwirtschaftlichen Veredelung mit verantwortlich gemacht. Der Begriff „Massentierhaltung“ wurde sehr schnell zum Inbegriff einer nicht näher definierten Haltungsweise von Nutztieren unter schlechten oder dem Tier unwürdigen Bedingungen. Eine genaue Abgrenzung, welche Größe ein landwirtschaftlicher Betrieb haben sollte und bei welcher Tierzahl die „Massentierhaltung“ beginnt, existiert nicht.

In der Realität der landwirtschaftlichen Produktion zeigt sich vielmehr, dass die Umsetzung der artgerechten Tierhaltung und die Einhaltung tierschutzrechtlicher Vorschriften unabhängig von der jeweiligen Betriebsgröße erfolgt. Die Einhaltung der tierschutzrechtlichen Regelungen ist meist ein zusätzlicher Kostenfaktor in der landwirtschaftlichen Produktion, der häufig nicht an den Verbraucher weitergegeben werden kann. Nur ökonomisch erfolgreiche Betriebe sind auch in der Lage, notwendige Investitionen in eine artgerechte Tierhaltung umzusetzen. Die Ursachen für eine nicht artgerechte Tierhaltung sind deshalb häufig der notwendige teure Umbau von alten Gebäuden oder die erforderlichen Neubauten.

Am Beispiel der modernen Milchviehhaltung wird besonders deutlich, dass erfolgreiche und größere Betriebe tiergerechte Haltungsformen umsetzen. Die meisten Milchkühe werden heute in modernen, meist offenen Boxenlaufställen gehalten. Die Tiere können sich frei im Stall und im Außenbereich bewegen. Sie haben eine individuelle Liegebox für ihre Ruhephasen.

In der Rindfleischerzeugung unterscheidet man zwischen intensiver und extensiver Mast. Bei der intensiven Mast befinden sich die Tiere ganzjährig im Stall, bei der extensiven Form sind die Tiere im Sommer auf der Weide und im Winter im Laufstall. Der größte Teil des deutschen Rindfleisches stammt aus der intensiven Jungbullenmast. Eine sehr extensive Form der Rindfleischerzeugung ist die Mutterkuhhaltung. In der Mutterkuhhaltung erfolgt die Rindfleischerzeugung durch die Nachzucht. Das Besondere an diesem Verfahren ist, dass die Kühe nach der Kalbung nicht von ihrem Kalb getrennt werden. Das Kalb wird in den ersten Lebensmonaten von seiner Mutter mit Milch versorgt und zugleich frühzeitig an Grünfutter gewöhnt. Erst im Alter von etwa zehn Monaten wird die Nachzucht von ihren Müttern getrennt, um sie dann zu mästen.

Ökologische Tierhaltung

Die ökologische Tierhaltung wird auf biologisch wirtschaftenden Betrieben praktiziert. Für diese Betriebe gelten dieselben tierschutzrechtlichen Bestimmungen wie für die konventionelle Landwirtschaft. Auch die Haltungsbedingungen und Haltungsformen unterscheiden sich nicht wesentlich zwischen den beiden Produktionsformen.

Das Besondere an der ökologischen Landwirtschaft ist, dass sie die Tierhaltung in einen weitgehend geschlossenen Betriebskreislauf integrieren will. Eine Produktion unabhängig von betriebseigenen Flächen ist nach den Regeln der ökologischen Landwirtschaft weitgehend ausgeschlossen. Die Futtergrundlage für die Tiere muss sich im jeweiligen landwirtschaftlichen Betrieb befinden. Futtermittel müssen nach den Regeln der biologischen Landwirtschaft angebaut werden. Bis zu 30 Prozent der Futterration können aus „Umstellungsfuttermitteln“ bestehen. Neben Futtermitteln aus ökologischer Erzeugung darf ein begrenzter Anteil Futtermittel konventioneller Herkunft zugefüttert werden, sofern eine ausschließliche Versorgung mit Öko-Futtermitteln nicht möglich ist.

In der „Verordnung über den ökologischen Landbau und die entsprechende Kennzeichnung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und Lebensmittel“ (EG-Öko-Verordnung) wird genau definiert, wie landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebensmittel, die als Öko-Produkte gekennzeichnet sind, erzeugt und hergestellt werden müssen.

Tierarten

Landwirtschaftliche Nutztiere werden zur Erzeugung von Fleisch, Milch, Eiern und anderen tierischen Produkten gehalten. Hinsichtlich der Haltung der verschiedenen Arten gibt es in Deutschland regionale Schwerpunkte. So befindet sich beispielsweise die Schweine- und Hühnerhaltung hauptsächlich in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Die größte Anzahl an Rindern wird in Bayern gehalten, gefolgt von Niedersachsen.

In Deutschland werden hauptsächlich folgende Tierarten in der landwirtschaftlichen Produktion gehalten:

  • Rinder,
  • Schweine,
  • Geflügel,
  • Schafe,
  • Ziegen,
  • Wild,
  • Honigbienen.