Dioxin in Futtermitteln

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Nach den Funden von Dioxin in Futtermitteln ist bei Probeschlachtungen am 11. Januar erstmals ein erhöhter Dioxinwert in Schweinefleisch festgestellt worden, in einem weiteren Betrieb wurde eine Belastung in der Nähe des zulässigen Grenzwertes ermittelt. Experten warnen allerdings vor Panikmache. Auch bei einer Überschreitung der Grenzwerte bestehe keine unmittelbare Gesundheitsgefahr.

Die betroffenen Betriebe werden zunächst kein Schweinefleisch vermarkten. Auch weitere Höfe, die mit Dioxin belastetes Futter erhalten haben könnten bleiben so lange gesperrt, bis ein Risiko für die Lebensmittelsicherheit ausgeschlossen ist. Hierzu laufen weitere Untersuchungen. Liegen bei Proben die Ergebnisse über den zulässigen Höchstwerten, müssen die Lebensmittel unschädlich beseitigt werden, die Produkte gelangen nicht in den Handel. Bei allen zuvor ausgewerteten Proben waren die Dioxinwerte äußerst gering oder so niedrig, dass sie nicht einmal messbar waren. Sämtliche Daten unterschieden sich nicht von der Vergleichsprobe aus Betrieben, die keine fraglichen Futtermittel verfüttert hatten: Die Dioxinwerte lagen – selbst bei Berücksichtigung größtmöglicher Messabweichungen – zwischen 0,14 und 0,23 pg/g Fett und damit weit unter dem Grenzwert von 1,0 pg/g Fett.

Dioxingrenzwerte verschiedener Nahrungsmittel

Gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 gelten bei Nahrungsmitteln folgende Höchstgehalte für Dioxine:

1.  Fleisch und Fisch
Schwein:   1,0 pg / g Fett
Geflügel:   2,0 pg / g Fett
Rind / Schaf:   3,0 pg / g Fett
Fisch  4,0 pg / g Muskelfleisch

2.  Rohmilch und Milcherzeugnisse, einschl. Butterfett:  3,0 pg/g Fett

3. Hühnereier und Eiprodukte: 3,0 pg/g Fett

Die Überschreitung einer Höchstmenge bedeutet allerdings nicht zwingend eine gesundheitliche Gefährdung, denn die Festlegung der Höchstmengen orientiert sich nicht an möglichen Gefährdungen, sondern an der unvermeidbaren Belastung aus der Umwelt, der so genannten Hintergrundbelastung.

Keine “dioxinverseuchten” Lebensmittel

Vor diesem Hintergrund warnen Wissenschaftler und Ernährungsexperten im aktuellen Dioxin-Skandal vor Panikmache. Selbst bei einer Überschreitung der Grenzwerte kann ihrer Ansicht nach von dioxin-verseuchten Lebensmitteln keine Rede sein. 
-> Film des Europäischen Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften e.V. zu Grenzwerten und Hintergrundbelastung

Sperrungen von Betrieben zum vorbeugenden Verbraucherschutz

 Zum Schutz der Verbraucher waren vorübergehend bis zu 4.700 landwirtschaftliche Betriebe gesperrt worden um sicherzustellen, dass keine mit Dioxin belastete Ware in den Handel gelangt. Am 9.1. wurde in Niedersachsen die Sperrung vom Großteil der Betriebe aufgehoben, nachdem die Unbedenklichkeit von Futter und Ware erwiesen war.  Am 14.1. wiederum wurden erneut Betriebe gesperrt, weil dort dioxinbelastete Futtermittel vermutet wurden.
-> Informationsangebot des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Wie kam das Dioxin ins Futtermittel?

Der schleswig-holsteinische Futtermittelbetrieb Harles & Jentzsch hatte im Rahmen der Eigenkontrolle die überhöhte Dioxinbelastung festgestellt. Ein holländischer Händler hatte diesem Betrieb dioxinbelastete Fettsäuren geliefert, die von einer Biodieselanlage der Petrotec AG stammten. Diese Fette, die nur für technische Zwecke  bestimmt waren, wurden gesetzeswidrig zu Futtermitteln verarbeitet. Danach sind die einzelnen Partien überwiegend in Legehennenhaltungen, aber auch an Putenmastanlagen und in Betriebe mit Schweinehaltung geliefert worden.

Fortlaufende Qualitätssicherung

Die aktuelle Situation zeigt, wie wichtig die übergreifende Qualitätssicherung von der Futtermittelherstellung bis zur Ladentheke ist. Weil Rückverfolgbarkeit und Informationsfluss innerhalb des QS-Systems gegriffen haben, konnten die Abnehmer unmittelbar informiert und fragliche Rohwaren und Mischfuttermittel sofort gesperrt werden. Die Untersuchung von Einzel- und Mischfuttermitteln auf Dioxin ist übrigens fester Teil des QS-Futtermittelmonitorings. Nach  Angaben  der QS Qualität und Sicherheit GmbH wurden in 2010 im Rahmen des Futtermittelmonitorings insgesamt knapp 4000 Einzelproben auf  Dioxine untersucht. Bis auf einen Fall wurden keine Grenzwertüberschreitungen festgestellt.

Welche Folgen ergeben sich für die Zukunft?

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner und die Verbraucher- und Agrarminister der Länder haben sich am 18. Januar in Berlin auf einen umfassenden Katalog von Maßnahmen verständigt, um die Sicherheit von Futtermitteln und Lebensmitteln zu erhöhen und die Kontrollstandards grundlegend zu verbessern. “Wir werden die Konsequenzen aus dem Dioxin-Skandal schnell und entschlossen umsetzen. Ich bin mir mit den Ministerinnen und Ministern, den Senatorinnen und Senatoren einig, dass wir schärfere Kontrollen brauchen und mehr Transparenz für die Verbraucher. Die Einführung strengerer Zulassungspflichten für Unternehmen, eine klare Trennung der Produktion von Futtermitteln und Industrieprodukten und eine Meldepflicht von Untersuchungsergebnissen für Hersteller und Labore sind nur einige der wichtigsten Punkte, die wir heute beschlossen haben”, sagte Bundesverbraucherministerin Aigner.
-> zur Meldung des Bundesministeriums

Was sind Dioxine?

Unter der Bezeichnung Dioxin werden mehr als 210 unterschiedliche chemische Verbindungen aus der Familie der polychlorierten Dibenzo-Dioxine (PCDD) zusammengefasst. Dioxine entstehen u.a. als Nebenprodukt bei vielen chemischen Prozessen, bei der Müllverbrennung, beim Recycling und der Energiegewinnung durch Kohlekraftwerke. Sie werden nur langsam abgebaut und reichern sich in der Umwelt und in tierischen und menschlichen Geweben an.
-> Informationen des Umweltbundesamtes zu Dioxinen

Nach heutigem Wissensstand lässt sich die Dioxinaufnahme über die Nahrung nicht vermeiden, da praktisch alle Lebensmittel, so auch tierische Veredlungsprodukte, stets geringe Mengen enthalten. 
-> Informationen des BfR zu Dioxin