Dioxin-Tests bei Fleisch: BfR gibt Entwarnung

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Nach den Funden von Dioxin in Futtermitteln und der Feststellung eines einzelnen überhöhten Dioxinwertes bei Schweinefleisch im Rahmen von Probeschlachtungen hat das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) am 26. Januar Entwarnung gegeben.

Selbst bei der gemessenen Überschreitung der Grenzwerte bestand demnach für die Verbraucher keine Gesundheitsgefahr. Die teilweise emotional und panisch geführte Debatte im Dioxinskandal fußt aus Sicht des  BfR u.a. auf der falschen Annahme, dass die Werte für Dioxin-Höchstgehalte toxikologische Grenzwerte seien. Faktisch liegen die Grenzwerte jedoch unter dem Wert, an dem eine Gefährdung beginnt.
-> ganze Meldung des BfR

Dioxingrenzwerte verschiedener Nahrungsmittel

Gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 gelten bei Nahrungsmitteln folgende Höchstgehalte für Dioxine:
1.  Fleisch und Fisch
Schwein:   1,0 pg / g Fett
Geflügel:   2,0 pg / g Fett
Rind / Schaf:   3,0 pg / g Fett
Fisch  4,0 pg / g Muskelfleisch
2.  Rohmilch und Milcherzeugnisse, einschl. Butterfett: 3,0 pg/g Fett
3. Hühnereier und Eiprodukte: 3,0 pg/g Fett

Bei Schweinefleisch sind in den vergangenen Wochen in Betrieben, an die belastetes Futter geliefert worden war, 127 Proben gezogen worden. Nur in einem einzigen Fall war ein erhöhter Dioxinwert von 1,5 Picogramm festgestellt worden - ein Wert, der bei Hähnchenfleisch unter dem Grenzbereich liegt und bei Fisch sogar nur einen Bruchteil des erlaubten Grenzwertes von 4 Picogramm ausmacht.

Keine “dioxinverseuchten” Lebensmittel

Vor dem Hintergrund der tatsächlich gemessenen Werte und den Modalitäten der Festlegung der Grenzwerte kann nach Ansicht von Wissenschaftlern und Ernährungsexperten im aktuellen Fall  keine Rede von “dioxinverseuchten” Lebensmitteln sein. Denn die Festlegung der Höchstmengen orientiert sich nicht an möglichen Gefährdungen, sondern an der unvermeidbaren Belastung aus der Umwelt, der so genannten Hintergrundbelastung. Im Vergleich zu dem, was die Verbraucher in ihrem Alltag an Dioxin aufnehmen, wären die Belastungen selbst bei den aktuell aus dem Verkehr gezogenen Produkten sehr gering.
-> Beispielhafte Darstellung von Belastungen durch das BfR
-> Film des Europäischen Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften e.V. zu Grenzwerten und Hintergrundbelastung

Vorbeugende Sperrungen von Betrieben größtenteils aufgehoben

Im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes waren Betriebe, die möglicherweise mit Dioxin belastetes Futter erhalten haben, gesperrrt worden. Für die meisten Betriebe konnte mittlerweile ein Risiko für die Lebensmittelsicherheit ausgeschlossen werden. Für die übrigen Betriebe laufen weitere Untersuchungen. Liegen bei Proben die Ergebnisse über den zulässigen Höchstwerten, müssen die Lebensmittel unschädlich beseitigt werden, die Produkte gelangen nicht in den Handel.

Sicht der Fleischwirtschaft

Auch wenn für die Konsumenten keine Gefährdung bestand und besteht, müssen aus Sicht der Fleischwirtschaft in Zukunft alle Möglichkeiten genutzt werden, um solche Skandale zu verhindern. Für die Branche steht der Verbraucherschutz an erster Stelle,  hier darf es keine Nachlässigkeiten geben. Daher unterstützt die Fleischwirtschaft – auch im eigenen Interesse – alle Ansätze, die Risiken zu minimieren und den Schutz vor Fehlverhalten und krimineller Energie zu erhöhen.

Fortlaufende Qualitätssicherung

Die aktuelle Situation zeigt, wie wichtig die übergreifende Qualitätssicherung von der Futtermittelherstellung bis zur Ladentheke ist. Weil Rückverfolgbarkeit und Informationsfluss innerhalb des QS-Systems gegriffen haben, konnten die Abnehmer unmittelbar informiert und fragliche Rohwaren und Mischfuttermittel sofort gesperrt werden.

Die Untersuchung von Einzel- und Mischfuttermitteln auf Dioxin ist übrigens fester Teil des QS-Futtermittelmonitorings. Nach  Angaben  der QS Qualität und Sicherheit GmbH wurden in 2010 im Rahmen des Futtermittelmonitorings insgesamt knapp 4000 Einzelproben auf  Dioxine untersucht. Bis auf einen Fall wurden keine Grenzwertüberschreitungen festgestellt.

Was sind Dioxine?

Unter der Bezeichnung Dioxin werden mehr als 210 unterschiedliche chemische Verbindungen aus der Familie der polychlorierten Dibenzo-Dioxine (PCDD) zusammengefasst. Dioxine entstehen u.a. als Nebenprodukt bei vielen chemischen Prozessen, bei der Müllverbrennung, beim Recycling und der Energiegewinnung durch Kohlekraftwerke. Sie werden nur langsam abgebaut und reichern sich in der Umwelt und in tierischen und menschlichen Geweben an.
-> Informationen des Umweltbundesamtes zu Dioxinen

Nach heutigem Wissensstand lässt sich die Dioxinaufnahme über die Nahrung nicht vermeiden, da praktisch alle Lebensmittel, so auch tierische Veredlungsprodukte, stets geringe Mengen enthalten. 
-> Informationen des BfR zu Dioxin
Durch Umweltschutzauflagen und entsprechende Maßnahmen z.B. Filteranlagen konnte jedoch die Belastung der Umwelt und der Bevölkerung seit den 1980er Jahren deutlich minimiert werden.
-> Artikel der FAZ zum Mythos der steigenden Belastung mit Umweltgiften und weiteren Mythen im Dioxinskandal

Wie kam das Dioxin ins Futtermittel?

Der schleswig-holsteinische Futtermittelbetrieb Harles & Jentzsch hatte im Rahmen der Eigenkontrolle die überhöhte Dioxinbelastung festgestellt. Ein holländischer Händler hatte diesem Betrieb dioxinbelastete Fettsäuren geliefert, die von einer Biodieselanlage der Petrotec AG stammten. Diese Fette, die nur für technische Zwecke  bestimmt waren, wurden gesetzeswidrig zu Futtermitteln verarbeitet. Danach sind die einzelnen Partien überwiegend in Legehennenhaltungen, aber auch an Putenmastanlagen und in Betriebe mit Schweinehaltung geliefert worden.