Moderne Nutztierhaltung

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Landwirt im FuttergangDie Landwirtschaft ist ein anspruchsvolles Betätigungsfeld. Insbesondere die Arbeit mit Tieren erfordert Know-how, Sorgfalt und Einfühlungsvermögen. Alles in allem gilt es, Genuss und Gesundheit, Ökonomie und Ökologie sowie Effizienz und Nachhaltigkeit unter einen Hut zu bringen.


Wissenschaftliche Erkenntnisse, Technik und – der Landwirt selbst

Damit das gelingt, nutzt die moderne Landwirtschaft systematisch wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Innovationen: Ob Fütterung, medizinische Versorgung oder Reinigung von Stallungen – der Einsatz moderner Verfahren und Techniken macht die Aufzucht der Tiere sicherer, hygienischer, nachvollziehbarer und nicht zuletzt auch kostengünstiger.

Nur gesunde Tiere sind leistungsfähig. Oberstes Ziel in der Tierhaltung ist es daher, das Wohl der Tiere sicherzustellen. Dabei dient die Förderung der Tiergesundheit gleichermaßen dem Tierschutz, der Qualität der erzeugten Lebensmittel und der Wirtschaftlichkeit._DSC5442_eichenhof

Der alles entscheidende Faktor in der Tierhaltung ist und bleibt jedoch der Landwirt: Es bringt neben seiner fundierten Ausbildung das richtige Gespür für die Tiere und das Wissen um ihre Bedürfnisse mit – unabhängig davon, in welchen Bestandsgrößen er agiert.

Stichwort “Massentierhaltung”

Ein Schlagwort, das in Zusammenhang mit moderner Nutztierhaltung immer wieder die Runde macht, ist der Begriff der Massentierhaltung. Damit verbunden werden häufig enge Tierbuchten, Schmutz, Tierquälerei, Ställe ohne Tageslicht und andere negative Assoziationen. Massentierhaltung wird gleichgesetzt mit Betrieben, die weder nach den gesetzlichen Regeln noch nach den Maßgaben der guten fachlichen Praxis arbeiten. Die Bilder, die in diesem Zusammenhang in die Öffentlichkeit gelangen, zeigen Missstände, die mit aller Strenge beseitigt werden müssen.  -> mehr zum Thema Massentierhaltung

Größere Tierbestände und Tierschutz sind kein Widerspruch

Fälschlicherweise werden solche Missstände aber häufig so dargestellt, als seien sie die Normalität − insbesondere in größeren Betrieben. Genau das ist aber nicht der Fall: In Bezug auf den Tierschutz und das Tierwohl macht die Unterscheidung zwischen großen und kleinen Betrieben keinen Sinn.

Dorf oder Millionenmetropole

Die Lebensqualität eines Menschen hängt nicht davon ab, ob er in einem Dorf mit 60 Einwohnern oder in einer Millionenmetropole lebt, sondern von den jeweiligen Bedingungen, die er dort vorfindet. Ähnlich verhält sich das im Bereich der Tierhaltung: Früher hatten 18 Kühe an der Kette bestimmt ein weniger komfortables Leben als heute 200 Kühe in einem modernen Boxenlaufstall.

Tierschutz und große Bestände in der Landwirtschaft sind also kein Widerspruch, im Gegenteil: Zahlreiche Vorgaben in Sachen Tierschutz, Technik oder Hygiene sind vor dem Hintergrund enormer Investitionen für kleinere Betriebe oft nur schwer zu erfüllen. Das zeigt sich auch daran, dass so mancher „Kleinbetrieb“ nicht zuletzt deshalb aus der Produktion ausscheidet, weil die Investitionen zur Erfüllung neuer, strengerer Anforderungen nicht oder nur sehr schwer zu stemmen sind.

Einsatz moderner Technik zum Tier- und Verbraucherschutz

Denn der Einsatz moderner Technik in der Landwirtschaft und insbesondere im Bereich der Tierhaltung dient nicht allein einer höheren Produktivität, sondern zunehmend auch dem Tier- und Umweltschutz und damit auch dem Verbraucherschutz. Frühere Haltungsbedingungen waren in allen Belangen sehr viel schlechter für die Tiere, auch wenn das heute immer noch gerne positiv und idealisiert dargestellt wird. An die Stelle von dunklen, stickig-feuchten Schweinekoben sind längst Stallanlagen getreten mit modernster Heizungs- und Lüftungstechnik, mit gutem Klima, trockenen Liegeflächen und trittsicheren Böden. www.die-deutschen-bauern.de

Über die Grundbedürfnisse hinaus

Bei der tiergerechten Haltung sind die natürlichen Lebensbedürfnisse zu sichern und artgemäßes Verhalten muss ermöglicht werden. Wenn jedes Tier im Stall seine Ansprüche wie Fressen, Ruhen oder sich Bewegen erfüllen kann, dann sind seine Grundbedürfnisse befriedigt. In der modernen Tierhaltung werden aber auch Verhaltensweisen erfüllt, die über diese Grundbedürfnisse hinausgehen: So stehen den Tieren Spielmöglichkeiten zur Verfügung wie Bälle und Ketten im Bereich der Schweinehaltung oder “Wellness-Borsten” im Bereich der Rinderhaltung.

Schnelle Hilfe für erkrankte Tiere

Trotz aller Sorgfalt im Umgang mit Nutztieren kann es vorkommen, dass Tiere erkranken. Ist das der Fall, ist in einem ordnungsgemäß arbeitenden Betrieb binnen einer Stunde der Hoftierarzt vor Ort. Es findet sich hier also eine Konstellation vor, von der manche Patienten in der Humanmedizin nur träumen können. Zudem übernehmen die Hoftierärzte nicht nur die Versorgung von erkrankten Tieren, sondern auch die Prophylaxe, also die medizinsche Gesundheitsvorsorge und -kontrolle.

Medikamenteneinsatz

Ist der Einsatz von Medikamenten unvermeidbar, dann müssen diese strenge Zulassungsverfahren durchlaufen haben, in denen vor allem auch die Unbedenklichkeit geprüft worden ist. Über den Einsatz von verschreibungspflichtigen Medikament entscheidet allein der Tierarzt. Jede Behandlung wird von Tierhalter und Tierarzt genau dokumentiert.

Nach der Verbabreichung von Medikamenten gelten genaue Vorschriften über Wartezeiten, bis die behandelten Tiere vermarktet werden dürfen. Dadurch wird ausgeschlossen, dass Rückstände in das Endprodukt gelangen. Verstöße gegen die Regelungen beim Medikamenteneinsatz sind kein Kavaliersdelikt: Sie werden mit hohen Geldstrafen oder Freiheitsstrafen geahndet.

Prophylaxe am Tier

Manche Eingriffe in der Tierhaltung sind bei weitem nicht so tiefgehend, wie es auf den ersten Blick oder in der ein oder anderen Publikation erscheint, das gilt beispielsweise für prophylaktische Eingriffe an Ferkeln, die erst nach betriebsindividueller, genauer Prüfung von Alternativen durchgeführt werden: Ob es sich um das Abschleifen der Spitzen der Eckzähne oder um das Kupieren von Schwänzen handelt: Im Vergleich zu dem Risiko, dass die Ferkel das Gesäuge der Sau oder sich gegenseitig verletzen sind solche Eingriffe vertretbar und gerechtfertigt, sofern sie sachkundig und entsprechend den gesetzlichen Vorgaben erfolgen.

Der Anspruch: Immer besser werden

Nicht nur Verbraucher und Tierschützer, auch die Landwirte selbst wollen wissen, wie tiergerecht die aktuelle Fleischerzeugung eigentlich ist. Mit Pilotprojekten gehen sie immer wieder weit über die gesetzlichen Haltungsvorschriften hinaus und überprüfen den Grad der Tiergerechtheit objektiv und nachvollziehbar. Die Ergebnisse helfen allen, die Bedingungen in der Nutztierhaltung ständig weiter zu verbessern.