Fleischerzeugung und Klimaeffekte − überschätzte Zusammenhänge

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fotolia/ Daniel SchönenMit dem Themenkomplex  Erderwärmung und Klimaschutz werden unter anderem die Nutztierhaltung und der Verzehr von Fleisch kritisch diskutiert – häufig allerdings ohne die Fakten zu berücksichtigen.

Unabhängig davon, in welchem Umfang der CO2-Anteil in der Atmosphäre für auftretende Veränderungen ausschlaggebend ist: Die Diskussion über Klimagase und Tierhaltung ist durch eine unzureichende Datengrundlage und eine Vielzahl an methodischen Herangehensweisen geprägt. Das wird allein schon am Spektrum der im Raum stehenden Zahlen deutlich: Je nach Studie soll der weltweite Viehbestand nämlich zwischen einigen wenigen und über 50 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verursachen.

Aktiver Klimaschutz

Welche Zahlen auch immer herangezogen werden – es ist unbestritten, dass die Land- und Forstwirtschaft als einziger Wirtschaftszweig schon bei der Produktion einen aktiven Beitrag zur Minimierung der Emissionsbilanz und somit zum Klimaschutz leistet. Nur dieser Sektor bindet im Produktionsprozess durch den Anbau von pflanzlichen Futter- und Lebensmitteln klimaschädliches CO2.

Landwirtschaft hält CO2 im Kreislauf

In vielen Darstellungen wird nicht berücksichtigt, dass dem Fleisch zugerechnete CO2-Emissionen zu einem großen Teil im vorangegangenen Produktionsprozess gebunden wurden: Tiere fressen keine Braunkohle und trinken kein Erdöl, sondern sie bekommen Gras, Getreide, Mais und diverse Eiweißträger, die auf Feldern gewachsen sind und – je nach Pflanzenart – jährlich zwischen 14 und 26 Tonnen CO2 je Hektar aus der Atmosphäre aufnehmen und in den Pflanzen binden.

Nahrungsmittel und Fleisch im Gesamtzusammenhang

Das Öko-Institut in Freiburg beziffert den Anteil der Ernährung am Pro-Kopf-CO2-Ausstoß auf 14 bis 16 Prozent. Dabei beziehen diese Angaben den gesamten Produktionsprozess ein, d.h. von der Erzeugung der Rohstoffe über die Verarbeitung und Veredelung bis auf den Tisch des Verbrauchers. Der Anteil an Treibhausgasemissionen, der für Herstellung, Verarbeitung und Transporte von existenziellen, zum Überleben notwendigen Nahrungsmitteln entsteht, beläuft sich also auf weniger als ein Sechstel der gesamten Emissionen an Treibhausgasen in Deutschland.

Der Klimakegel

Etwa 85 Prozent der CO2-Emissionen für weniger existenzielle Dinge

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Was ist mit den über 85 Prozent CO2-Ausstoß, die auf der Erzeugung von anderen Waren und Dienstleistungen beruhen – die nicht zum physischen Überleben notwendig sind? Das Gros der Emissionen entfällt auf andere Lebensbereiche wie Mobilität und Konsum. Mehr als 80 Prozent der Emissionen von Treibhausgasen gehen auf energiebedingte Prozesse zurück.

Die Existenz von sechs oder sieben Milliarden Menschen hat unweigerlich einen direkten Einfluss auf das Klima. Aber selbst die FAO (Food + Agricultural Organization der UNO) vertritt die Meinung, dass die Tierhaltung allenfalls zu Klimaerwärmung beitragen könnte. Insgesamt wird dem Thema “Fleischverzehr” im Zusammenhang mit der Entwicklung des Klimas gesellschaftlich eine große Bedeutung beigemessen. Der Klimakegel zeigt jedoch, dass andere Bereiche unserer Lebenswelt weitaus größeres Potenzial zur Vermeidung von klimaschädlichen Emissionen und somit zur Verbesserung der persönlichen CO2-Bilanz bieten.

Emissions-Fakten

Unabhängig von der Darstellung anhand der Zahlen des Freiburger Öko-Instituts wird dem Sektor Landwirtschaft insgesamt (Methan und Lachgas) ein Anteil an der Gesamttreibhausgasemission in Deutschland von rund sieben Prozent zugeschrieben. Größter Kohlendioxid-Emittent ist und bleibt der Energiesektor. Auch die Methanproduktion der Rinder wird als klimaschädigender Faktor deutlich überschätzt: Das bei der Ausscheidung freigesetzte Methan hat weltweit einen Anteil von vier Prozent an der Emission von Treibhausgasen. In Deutschland wurde dieser Anteil 2004 auf lediglich 1,82 Prozent geschätzt. Der relative Methanausstoß pro Produkt (Fleisch, Milch) ist zudem abhängig von der Leistung der Tiere. In Deutschland haben die Rinder ein hohes Leistungsniveau, d. h. die Kühe liefern mehr Milch und Fleisch bei geringerer Methanproduktion.

Effizienz in der Nutztierhaltung und Klima

Auch wenn der Anteil der Nahrungsmittelerzeugung am gesamten Ausstoß von Treibhausgasen geringer ist als häufig dargestellt, gibt es hier von Jahr zu Jahr weitere Verbesserungen. Beispielsweise kommen die Fortschritte in Züchtung und Fütterung und damit eine effizientere Nutztierhaltung dem Klima zugute: Benötigte ein Mastschwein in den 50er Jahren noch rund 4 kg Futter für 1 kg Zuwachs, sind es mittlerweile nur noch 2,5 kg. Eine so verbesserte Futterverwertung schont Ressourcen und Klima.

Emissions-Entwicklung und Klimabilanz

Die landwirtschaftliche Produktion von Lebensmitteln hierzulande hat nicht nur einen jederzeit vertret- und begründbaren geringen Anteil am gesamten Ausstoß von Treibhausgasen, die Klimabilanz aus diesem Sektor wird auch Jahr für Jahr nochmals verbessert:

  • Der Methanausstoß in der Tierhaltung ist seit 1990 um 14,2 Prozent gesunken, die Lachgasemissionen durch Düngung von Futterpflanzen um 30,8 Prozent. Die Gesamtsenkung der Treibhausgasemission liegt bei 18 Prozent, weiteres Reduzierungspotenzial ist vorhanden.
  • Zusätzliche Einsparungen entstehen durch Bioenergie: Die Erzeugung nachwachsender Rohstoffe zum Zweck der Energiegewinnung und des Einsatzes im Verkehr (Biotreibstoff) vermeidet in erheblichem Maße CO2-Emissionen aus fossilen Rohstoffen.

(Quelle: DBV-Klimabroschüre; BMELV/BMU)