06.12.2019

Echtes Fleisch vs. Laborfleisch: Was ist umweltfreundlicher?

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Die Entscheidung für die sogenannten Fleischersatzprodukte wird oft mit Vorteilen für die Umwelt begründet. Doch die aktuell verfügbaren Daten zeigen, dass gerade die Zuchtfleisch-Produkte nicht besser abschneiden als echtes Fleisch. Denn die Herstellung von Laborfleisch ist ein energieverbrauchender Prozess ist, bei dem Substanzen verwendet werden, die normalerweise nicht für die Fütterung von Tieren zugelassen sind (Hormone, Antibiotika usw.).


Eine Fleischproduktion, die ohne Tiere funktionieren würde, gehörte schon lange zu den großen Utopien der Menschheit. Und gerade in den vergangenen Jahren wurden große Fortschritte bei der Herstellung vom Laborfleisch erzielt. Diese wurden in den Publikumsmedien als vielversprechende Alternative zum echten Fleisch gefeiert, die sowohl Tierschutz- als auch Lebensmittelversorgungsprobleme zu lösen und gleichzeitig die Umwelt zu schützen vermag. Doch Fachmedien und Wissenschaftler bleiben skeptisch.

Die Tatsache ist, dass das kultivierte Fleisch eine Substanz darstellt, das aus Muskelzellen besteht und in einer Laborumgebung gezüchtet wird. Doch die Zellen stammen nach wie vor vom lebenden Tier und werden nach der Entnahme in Petrischalen mit einem Kulturmedium vermehrt, das sehr reichhaltig sein muss und - selbst bei den fortschrittlichsten Methoden - Hormone und andere Wachstumsbeschleuniger (fötales Kälberserum, Antibiotika, Fungizide etc.) benötigt, um die Zellentwicklung zu ermöglichen. Daher ist es auch nicht korrekt zu behaupten, dass diese Technologie eine natürliche Alternative zur Fleischproduktion darstellen würde, die die Nutzung von Antibiotika und Hormonen verhindere.
Denn in der EU unterliegt der Einsatz von Antibiotika und Hormonen in der Nutztierhaltung einer strengen Regelung und ist in vielen Fällen sogar verboten.

Basierend auf den derzeit verfügbaren Daten bietet die Kulturproduktion auch keinen Umweltvorteil gegenüber echtem Fleisch. Es besteht noch Bedarf an einer detaillierten und transparenten Ökobilanz der Systeme zur Herstellung von Kulturfleisch im Vergleich zur herkömmlichen Produktion, so eine wissenschaftliche Studie.

Dazu kommt, dass das Laborfleisch auch nicht wirklich als Fleisch bezeichnet werden kann, denn in Wirklichkeit handelt es sich um eine Zellkultur, bei der einige wichtige Zelltypen (z. B. Nerven, Adipozyten usw.), aus denen Fleisch besteht, erst gar nicht vorkommen. Auch in Punkto Nährwerte sind Zweifel angebracht: Künstliches Fleisch hat zwar einen hohen Eiweißgehalt, kann jedoch beim Eisen und Vitamin B12 nicht mit dem echten Fleisch mithalten. Nach wie vor stellen auch die sensorischen Qualitäten (Geschmack, Bissfestigkeit etc.) bei den Ersatzprodukten eine Herausforderung auf dem Weg zur breiten Konsumentenakzeptanz dar, wie eine Studie aus dem Jahr 2018 zeigt.