13.02.2019

Fleischverzicht in Deutschland nützt weder Klima noch Welternährung

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Eine neue Studie sieht keine positiven Effekte des Konsumverzichts bei tierischen Produkten

Eine Studie des Instituts für Agribusiness der Universität Gießen untersuchte globale Auswirkungen einer rein pflanzlichen Ernährung und deren Konsequenzen für Wirtschaft, Umwelt und Welternährung und kam zum Schluss, dass es keine positiven Effekte einer Konsumverweigerung bzw. eines Produktionsrückgangs tierischer Erzeugnisse in Deutschland oder der EU bestätigt werden konnten: Eine rein pflanzliche Ernährung kann mit Blick auf Umwelt, Klima und Welternährung nicht halten, was Kritiker der Nutztierhaltung versprechen, fasst Prof. P. Michael Schmitz, Agrarökonom und Autor der Studie ihr Kernergebnis zusammen.


Die Auswirkungen auf Deutschlands Wirtschaft und den Wohlstand der Gesellschaft wären aber verheerend. In mehreren Modellen rechnet die Studie vor, wie zum Beispiel durch den einseitigen nationalen Sojaimportverbot und Senkung des Fleischkonsums in Deutschland jährlich zweistellige Milliardenverluste entstehen würden, während die Konkurrenten aus Brasilien, den USA aber auch die EU-Mitgliedsländer davon profitieren. Gleichzeitig kommt die Studie nach zahlreichen Simulationsberechnungen zum Schluss, dass durch den Rückgang der Fleischproduktion bzw. des Konsums in Deutschland keine positiven Effekte auf den globalen CO2-Ausstoß oder den weltweiten Wasserverbrauch zu erwarten sind. Auch größere Flächen für Nahrungszwecke in anderen Ländern ließen sich dadurch nicht gewinnen.
Der Verzicht auf Produktion von tierischen Lebensmitteln in Europa würde sogar zum Anstieg der Emissionen von Treibhausgen führen, rechnete die Wissenschaftler aus, da die Erzeugung in Länder mit höheren THG-Emissionen verlagert würde. Das seien enttäuschende Ergebnisse, wenn man an die Erwartungshaltung zahlreicher Kritiker der Tierproduktion in der EU und insbesondere in Deutschland denkt, heißt es in der Studie.


Innovation statt Verbote

Daher sollten man sich in Deutschland statt im nationalen Alleingang auf politische Konsumsteuerung, kostenträchtige Produktionsstandards und einseitige Handelshemmnisse (wie Sojaimportverbot) zu stützen, die vorhandenen Potentiale der Wissenschaft und der technischen Innovation ausschöpfen, so die Wissenschaftler. Diese seien nicht nur in der Lage, Leistung und Futterverwertung der Tiere zu verbessern, sondern auch Emissionen und Ressourcenverbrauch zu verringern.
Gerade in der Nutztierbranche gehöre zum Konzept einer nachhaltigen Entwicklung auch die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Politikreformen. Das war bislang in Deutschland nicht unbedingt der Fall, kritisieren die Autoren der Studie: Die bisher verfolgten Politikkonzepte schwächen die Wettbewerbsfähigkeit der Nutztierbranche. Marktanteile und Arbeitsplätze in der Agrarwirtschaft Deutschlands drohen verloren zu gehen, ohne einen wirksamen Beitrag zu Umwelt-, Klima- und Tierschutz bzw. zur Hungerbekämpfung leisten zu können, so Prof. P. Michael Schmitz.

Einfluss auf Welternährung 

Auch eine Verbesserung der Ernährungssituation in armen Ländern durch den Fleischverzicht in westlichen Ländern konnte  in der Studie nicht nachgewiesen werden. Der Grund dafür: Die Entwicklungsländer und deren ländliche Räume sind weitgehend von den Weltmärkten abgekoppelt und die heimischen Erzeuger-bzw. Verbraucherpreise werden überwiegend von internen Einflussfaktoren und nicht von den Weltmarktpreisen gesteuert. Hunger und Armut seien demnach hausgemacht und müssen vorrangig auch vor Ort bekämpft werden: Wenn westliche Länder wirklich etwas für die Verbesserung der Ernährungssituation in Entwicklungsländern tun wollen, sollten sie ihre Märkte öffnen und zur Förderung von Landwirtschaft, Infrastruktur, Bildung und Gesundheit in den betroffenen Ländern beitragen, so die Studie zu diesem Punkt.

 

Studie Globale Auswirkungen einer rein pflanzlichen Ernährung – Konsequenzen für Wirtschaft, Umwelt und Welternährung als pdf zum Donload: Link >>