20.08.2010

Schlagwort Massentierhaltung aus Sicht der Landwirtschaft

Rinderstall
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In vielen Diskussionen rund um die Fleischerzeugung taucht regelmäßig der emotionsgeladene Begriff Massentierhaltung auf. Eine genaue Definition für diesen Begriff gibt es nicht.

Ausgangspunkt ist vielmehr die Verordnung zum Schutz gegen die Gefährdung durch Viehseuchen bei der Haltung von Schweinebeständen aus dem Jahr 1975. Diese wurde kurz Massentierhaltungsverordnung genannt und galt für Bestände ab 1.250 Tiere. In Gesprächen mit Verbrauchern beginnt Massentierhaltung jedoch manchmal bereits bei 100 Tieren. Teilweise wird dieser Begriff auch mit bestimmten Haltungsverfahren in Verbindung gebracht (geschlossene Ställe, Vollspaltenboden usw.).

Wenn bestimmte Betriebsgrößen oder -formen pauschal und undifferenziert als tierquälerische Massentierhaltung bezeichnet werden, ist dies nicht gerechtfertigt. Denn das Tierwohl hängt nicht von der Bestandsgröße ab, sondern von den  Bedingungen, welche die Tiere jeweils vorfinden. 18 Kühe in Anbindehaltung an der Kette hatten früher auf jeden Fall ein schlechteres Leben als heute 200 Kühe in einem modernen Boxenlaufstall. Davon kann sich jeder sein eigenes Bild machen. Eine eindrückliche und authentische Möglichkeit dazu bieten Videos unter  www.die-deutschen-bauern.de.


Strukturwandel


Der Familienbetrieb ist in Deutschland die dominierende Form des landwirtschaftlichen Betriebs. Aber auch hier hat es einen Strukturwandel gegeben. Bei dieser Diskussion muss jedoch daran erinnert werden, dass für die Tierhaltung, ebenso wie für andere Branchen, ökonomische Gesetze eine Rolle spielen - deshalb die Entwicklung zu größeren Beständen. Kein Landwirt ist glücklich, wenn er seinen über viele Generationen bewirtschafteten Betrieb aufgeben muss. Aber Landwirte müssen auch ihre Familien ernähren und für eine gute Ausbildung ihrer Kinder sorgen. Sie entwickeln ihre Unternehmen mit Kreativität, Ideenreichtum und Verantwortungsbewusstsein unter Einbeziehung von Wissenschaft und Technik ständig weiter, um nachhaltig mit ihrer Familie im und vom Betrieb leben zu können. In den vergangenen zehn Jahren ist ein Rückgang der schweinehaltenden Betriebe in einer Größenordnung von 63.000 Betrieben zu verzeichnen, in den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl um 188.000 Betriebe reduziert und seit 1950 sind über 2,3 Millionen schweinehaltende Betriebe ausgeschieden.


Entwicklung der Familienbetriebe


Dies hat zu Familienbetrieben geführt, die eine Größenordnung von z. B. 70 bis 80 Milchkühen oder 200 bis 250 Sauen oder 1.000 bis 1.500 Mastschweineplätzen oder 60.000 bis 80.000 Hähnchenplätzen führen. Diese Größenordnungen für spezialisierte Betriebe sind notwendig, um ein ausreichendes Familieneinkommen erreichen und die Betriebe mit der Familie bewirtschaften zu können. In  einigen Regionen Deutschlands und bei Nebenerwerbsbetrieben - jeder zweite Betrieb in Deutschland wird als Nebenerwerb bewirtschaftet - sind die Tierbestände deutlich kleiner.

Wie wird das Thema international gesehen?


Laut der FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, versteht man unter Massentierhaltung jene Tierhaltungssysteme, in denen weniger als 10 % der Futtertrockenmasse dem eigenen Betrieb entstammt und in denen die Besatzdichte 10 Großvieheinheiten pro Hektar betrieblicher landwirtschaftlicher Nutzfläche übersteigt (FAO: ANIMAL PRODUCTION AND HEALTH PAPER NO. 127). Danach gibt es in der europäischen Union keine Massentierhaltung. In Deutschland liegt der Mittlere Viehbesatz nämlich nur bei rund 0,7 Großvieheinheiten.