Fleischerzeugung

Fleischverzicht in Deutschland nützt weder Klima noch Welternährung

Eine neue Studie sieht keine positiven Effekte der Konsumverweigerung bei tierischen Produkten


Eine Studie des Instituts für Agribusiness der Universität Gießen untersuchte globale Auswirkungen einer rein pflanzlichen Ernährung und deren Konsequenzen für Wirtschaft, Umwelt und Welternährung und kam zum Schluss, dass es keine positiven Effekte einer Konsumverweigerung bzw. eines Produktionsrückgangs tierischer Erzeugnisse in Deutschland oder der EU bestätigt werden konnten: Eine rein pflanzliche Ernährung kann mit Blick auf Umwelt, Klima und Welternährung nicht halten, was Kritiker der Nutztierhaltung versprechen, fasst Prof. P. Michael Schmitz, Agrarökonom und Autor der Studie ihr Kernergebnis zusammen.

Die Auswirkungen auf Deutschlands Wirtschaft und den Wohlstand der Gesellschaft wären aber verheerend. In mehreren Modellen rechnet die Studie vor, wie zum Beispiel durch den einseitigen nationalen Sojaimportverbot und Senkung des Fleischkonsums in Deutschland jährlich zweistellige Milliardenverluste entstehen würden, während die Konkurrenten aus Brasilien, den USA aber auch die EU-Mitgliedsländer davon profitieren. Gleichzeitig kommt die Studie nach zahlreichen Simulationsberechnungen zum Schluss, dass durch den Rückgang der Fleischproduktion bzw. des Konsums in Deutschland keine positiven Effekte auf den globalen CO2-Ausstoß oder den weltweiten Wasserverbrauch zu erwarten sind. Auch größere Flächen für Nahrungszwecke in anderen Ländern ließen sich dadurch nicht gewinnen.
Der Verzicht auf Produktion von tierischen Lebensmitteln in Europa würde sogar zum Anstieg der Emissionen von Treibhausgen führen, rechnete die Wissenschaftler aus, da die Erzeugung in Länder mit höheren THG-Emissionen verlagert würde. Das seien enttäuschende Ergebnisse, wenn man an die Erwartungshaltung zahlreicher Kritiker der Tierproduktion in der EU und insbesondere in Deutschland denkt, heißt es in der Studie.


Innovation statt Verbote

Daher sollten man sich in Deutschland statt im nationalen Alleingang auf politische Konsumsteuerung, kostenträchtige Produktionsstandards und einseitige Handelshemmnisse (wie Sojaimportverbot) zu stützen, die vorhandenen Potentiale der Wissenschaft und der technischen Innovation ausschöpfen, so die Wissenschaftler. Diese seien nicht nur in der Lage, Leistung und Futterverwertung der Tiere zu verbessern, sondern auch Emissionen und Ressourcenverbrauch zu verringern.
Zudem spielten dabei die Digitalisierung und Molekularbiologie ebenso eine wichtige Rolle wie die Verbesserung des betrieblichen Managementwissens. Dafür seien von der Politik entsprechende Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung zu schaffen.
Gerade in der Nutztierbranche gehöre zum Konzept einer nachhaltigen Entwicklung auch die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Politikreformen. Das war bislang in Deutschland nicht unbedingt der Fall, kritisieren die Autoren der Studie: Die bisher verfolgten Politikkonzepte schwächen die Wettbewerbsfähigkeit der Nutztierbranche. Marktanteile und Arbeitsplätze in der Agrarwirtschaft Deutschlands drohen verloren zu gehen, ohne einen wirksamen Beitrag zu Umwelt-, Klima- und Tierschutz bzw. zur Hungerbekämpfung leisten zu können, so Prof. P. Michael Schmitz.

Einfluss auf Welternährung  

Auch eine Verbesserung der Ernährungssituation in armen Ländern durch den Fleischverzicht in westlichen Ländern konnte  in der Studie nicht nachgewiesen werden. Der Grund dafür: Die Entwicklungsländer und deren ländliche Räume sind weitgehend von den Weltmärkten abgekoppelt und die heimischen Erzeuger-bzw. Verbraucherpreise werden überwiegend von internen Einflussfaktoren und nicht von den Weltmarktpreisen gesteuert. Hunger und Armut seien demnach hausgemacht und müssen vorrangig auch vor Ort bekämpft werden: Wenn westliche Länder wirklich etwas für die Verbesserung der Ernährungssituation in Entwicklungsländern tun wollen, sollten sie ihre Märkte öffnen und zur Förderung von Landwirtschaft, Infrastruktur, Bildung und Gesundheit in den betroffenen Ländern beitragen, so die Studie zu diesem Punkt.

Studie Globale Auswirkungen einer rein pflanzlichen Ernährung – Konsequenzen für Wirtschaft, Umwelt und Welternährung als pdf zum Donload: Link >>

chevron_right

Rindfleisch ist nachhaltiger als angenommen

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse aus einer Studie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) bestätigen, dass die Fleischproduktion wesentlich weniger Getreide verbraucht, als bisher angenommen. In der Zusammenfassung der Studie heißt es, dass 86% der Futtermittel, die in der Tierhaltung genutzt werden, nicht für die menschliche Ernährung geeignet sind. Dazu gehören Erntereste oder Abfälle der Pflanzenölproduktion, die ohne Verwertung als Tierfutter sogar eine Umweltbelastung verursachen würden.

Eine weitere wichtige Erkenntnis der Studie mit dem Titel  Livestock: On our plates or eating at our table? ist: Insbesondere Rinder nutzen als Weideland erhebliche Flächen, die nicht zur Erzeugung von Lebensmitteln geeignet sind. Von weltweit insgesamt 2 Mrd. ha Land, das aktuell von Nutztieren beweidet werden,  wären lediglich 700 Mio. als Ackerland verwendbar. Dabei betont die Studie, dass die Weidetiere die genutzten Flächen auch düngen.

Außerdem betrachtet die FAO-Studie verschiedene Produktionssysteme und rechnet vor, dass zum Beispiel bei Rindern nur 0,6 kg pflanzliche Proteine aus essbarem Futter benötigt wird, um 1 kg Protein in Form von tierischen Proteinen wie Milch und Fleisch zu produzieren, welche wesentlich höheren Nährwert für Menschen haben.

Im weltweiten Durchschnitt benötige man 3 kg Getreide zur Herstellung von 1 kg Fleisch, wobei bei Rindern dieser Wert bei 2,8 kg liegt, und bei Nutztieren, die keine  Wiederkäuer (zum Beispiel Schweine) sind, etwa 3,2 kg beträgt.

Diese FAO-Studie widerspricht nicht nur den früheren Annahmen, wonach man für die Produktion von einem 1 kg Rindfleisch 6 bis 20 kg Futter veranschlagte, sondern kommt zum Schluss, dass die Nutztiere nicht in einer Konkurrenz um pflanzliche Lebensmittel zum Menschen stehen. Mehr noch: Weltweit sichere die Vielhaltung mehr als 500 Millionen Menschen in ländlichen Gegenden das Einkommen.

chevron_right

Entwicklung der Nutztierhaltung

Die Entwicklungsgeschichte der Menschen ist eng verknüpft mit der Überführung von Wildtieren in Haus- und Nutztiere, d. h. der Domestikation sowohl von Tieren als auch von Pflanzen. Die Ausschöpfung von Nahrungsressourcen an einem Ort bedingte vor der Sesshaftwerdung der Menschen einen häufigen Wechsel der Wohnstätten.

chevron_right

Moderne Fleischerzeugung – ein arbeitsteiliger Prozess

An der Erzeugung von Fleisch und Fleischwaren sind im Zuge einer arbeitsteiligen Wirtschaft Unternehmen auf mehreren Produktionsstufen beteiligt: In landwirtschaftlichen Betrieben werden die Nutztiere gezüchtet und gemästet, geschulte Kräfte transportieren die Tiere von den Landwirtschaftsbetrieben zu den Schlachthöfen, wo sie mit einem hohen Maß an Sachkunde, Professionalität und der notwendigen Sensibilität geschlachtet und zerlegt werden. Als letzte Stufe schließlich fungiert die Verarbeitungsindustrie, welche die Fleischwaren so aufbereitet, wie sie der Verbraucher in der Ladentheke vorfindet oder in weiteren Veredelungsprozessen das vielfältige Sortiment an Wurstwaren, Schinken sowie hoch verarbeiteten Fleischprodukten herstellt.
chevron_right

“Besser werden”: Forschung und Wissenschaft

Um den wachsenden Herausforderungen des Verbraucherschutzes gerecht zu werden, existiert in Deutschland im gesamten Bereich der Fleischerzeugung eine hohe Forschungsaktivität. Das Ziel: Optimierung auf allen Gebieten, den Schutz der Verbraucher, Ökologie, Tierschutz und Ökonomie noch besser miteinander in Einklang zu bringen.
chevron_right

Fleischwirtschaft im Dialog

Fleisch steht für Genuss, Qualität und Sicherheit. Dazu tragen alle Produktionsstufen mit ihrem Engagement, ihrem Know-how und ihrer Professionalität bei. Unternehmen und Verbände der Fleischwirtschaft möchten die Kommunikation mit Verbrauchern und Medienvertretern intensivieren. Denn die Branche ist überzeugt: Wer mehr über dieses Lebensmittel weiß, der kann es mit gutem Gewissen genießen!